Review

Hörspiel – Jostein Gaarder “Sofies Welt”

Sofies Welt von Jostein Gaarder

Der Roman verfehlte 1991 seine Zielgruppe: Nicht Kinder, sondern Erwachsene ließen sich von „Sofies Welt“ faszinieren. In 60 Sprachen übersetzt ging der Roman mehr als 40 Millionen mal über den Tresen.

Brettspiele, Games, der Film folgten. Ebenso eine deutschsprachige Lesung und 1995 das Hörspiel. Gerade die Hörspielversion von „Sofies Welt“ ist eines der ergreifendsten, das je in Deutschland produziert wurde. Drei Gründe.

Geniale Geschichte in der Geschichte

Erstens: Die Geschichte bringt unser Hirn zum Schwirren. Da bekommt die vierzehnjährige Sofie einen Brief, auf dem steht „Wer bist du?“, dann einen zweiten „Woher kommt die Welt?“. Und es geht weiter mit solch verstörender Post. Alberto, ein älterer Herr, ist der Briefeschreiber. Er zieht Sofie damit in seinen privaten Philosophiekurs hinein. Beider Welt scheint plötzlich brüchig. Ein Major schickt Postkarten, die Sofie an dessen Tochter Hilde weiterreichen soll?! Sofie ist verwirrt – und verängstigt. Bis sie mit ihrem Philosophie-Lehrer Alberto die schreckliche Wahrheit logisch kombiniert: Sie, Sofie und ihre ganze Welt ist nur eine Geschichte, die der Major seiner Tochter Hilde zum Geburtstag schenkt. Wie kann sie aus der Geschichte raus, in die wirkliche Welt? Und – halt! – kann es nicht sein, dass auch Hildes Welt nur eine erfundene Geschichte ist, die wiederum einen Autor hat?

Bestens besetzt mit Matthias Habich, Peter Fitz & Co

Zweitens: Dieser prickelnde Stoff ist 1995 vom SWR/MDR mit großartigen Schauspielern als Hörspiel inszeniert worden: Matthias Habich ist Alberto, Gunda Aurich ist Sofie, Christoph Banzer ist der Erzähler, Peter Fitz ist der Major, Hilde ist Julia von Sell, uvm.

Hörspielmusik von Peter Zwetkoff

Drittens: Die großartigen Dialoge und Erzählpassagen wirken deshalb so magisch, weil Peter Zwetkoff mitgemacht hat. Er hat die Hörspielmusik komponiert. Das hat er bereits 1991 beim Mammuthörspiel „Der Herr der Ringe“ meisterhaft getan. Und ähnlich ging er auch an „Sofies Welt“: Nicht mit fettem Orchester, sondern oft nur mit einer Violine und wenigen Tönen, oft disharmonisch, wie ein Lüftchen durchs Fenster, schweben seine Sounds. Sie schweben wie Ängste, Hoffnungen und Freude herbei. Das ist eine mutige Vorgehensweise, und eine sensationell effektive.

Die Regiearbeit von Hartmut Kirste und deren Basis, die Hörspielbearbeitung von Richard Hey, summieren sich zu einem existenziell ergreifenden Hörerlebnis von 5 h 35 min Laufzeit, das jeder kennen sollte.

Übrigens: Jostein Gaarder inspirierte mit „Sofies Welt“ die französische Autorin Catherine Clément zu ihrem famosen Roman „Theo’s Reise“ über die Geschichte der Theologie.

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