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Kinderbuch – Keith Richards „Gus und ich“

Cover von Keith Richards Kinderbuch "Gus und ich"

Rolling Stones Gitarrist Keith Richards, 71, ist nicht gerade der übliche Verdächtige, wenn es darum geht Autor eines Kinderbuchs zu sein. Mithilfe der Illustrationen seiner Tochter Theodora, 29, die neben dem Model-Job auch Kunst studiert, hat er es dennoch gepackt.

In „Gus und ich“ schildert Richards Autobiografisches: sein Verhältnis zu seinem Großvater Gus und wie der ihn zum Gitarrespielen inspirierte. Überraschung! Herausgekommen ist eine coole Story mit cooler Botschaft.

„Ein Haus voller Musikinstrumente und Kuchen“

Das Buch ist handlich in Höhe und Breite. Das Buch ist schmal. Auf gerade 20 Doppelseiten erzählt Keith Richards liebevolle Episoden, die er mit seinem Großvater erlebt hat, als Keith noch ein Teenager war. Zu Beginn lernen wir Großvater Gus etwas besser kennen: Gus hieß eigentlich Theodore Augustus Dupree, er hatte sieben Töchter und „lebte in einem Haus voller Musikinstrumente und Kuchen“. Denn Gus war einst Bäcker und Leiter einer Tanzkapelle. Wann immer der kleine Keith zu Besuch kam, ging Gus mit ihm auf lange Spaziergänge. Einmal war die Erkundungstour zu lang für den Rückweg, sodass Gus und Klein Keith die Nacht unter Bäumen verbrachten.

„Dinka-plinks“

Ein andernmal nimmt Gus seinen Enkel mit nach London in einen Musikladen. Klein Keith ist fasziniert von den Gitarren und den „Dinka-plinks“, die man damit machen kann. Magisch. Auf dem Klavier seines Opas liegt auch so eine klassische Gitarre. Jahrelang wünscht sich der kleine Keith, damit einmal spielen zu dürfen. Eines Tages schenkt Gus seinem Enkel die Gitarre. Er zeigt ihm ein paar Akkorde und gibt Keith einen Tipp: „Wenn du ‚Malaguena‘ spielen kannst, dann kannst du alles spielen.“ Der kleine Keith übt und übt. Und als Gus ihm irgendwann sagt: „Ich glaube, langsam hast du es raus.“, ist es das Größte für Keith. Noch heute, wenn Keith eine Bühne betrete oder seinen eigenen Enkeln ein paar „Dinka-plinks“ vorspiele, denke Keith bei sich „Danke Großvater, danke Gus“.

Keith Richards: „Ihr Großeltern, beschäftigt euch mit euren Enkeln.“

In seinem Youtube Kanal „officalkeef“ beantwortet Keith Richards ein paar Fragen zu seinem Kinderbuch „Gus und ich“ und gibt einen Tipp an Großeltern und ihre Enkel.

„Gus und ich“ – coole Geschichte, coole Botschaft

„Gus und ich“ ist, ich gebe zu, ich war skeptisch, ein cooles Kinderbuch. Die Geschichte ist einfach und effektvoll erzählt. Die deutsche Übersetzung hat der großartige (Jugendbuch-)Autor Andreas Steinhöfel übernommen. Zu wissen, dass Keith Richards‘ Story autobiografisch ist, gibt ihr zusätzlichen Scharm. Und das gilt nicht nur für Rolling Stones Fans. Ein „Ja“ auf die Kinderfrage „Papa, hat es den Gus wirklich gegeben?“ erhöht immens die Wirkung der Geschichte. Und auch wenn nicht jeder einen tollen Großvater wie Gus haben kann – sagen wir, wie es ist: mindestens die Hälfte ist widerlich, gleichgültig oder abwesend statt liebevoll, abenteuerlich und inspirierend -, so zeigt es doch, dass es sich lohnt, nach diesen Menschen Ausschau zu halten oder dieser Mensch selbst zu sein.

„Gus und ich“ in zwei Ausgaben

In zwei Ausgaben ist Keith Richards Kinderbuch erhältlich. Einmal schlicht als Buch, dann als Deluxe-Ausgabe mit CD. Auf der CD ist eine kurze Lesung des Kinderbuchs von Keef höchstselbst zu hören und seine Version von „Malaguena“. Großvater Gus meinte das Stück des kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona (1896 bis 1963). Es ist nichts für Anfänger und zeigt, dass Keith Richards, trotz stetig selbstkritischer Äußerungen – „An der Gitarre, okay, da tu ich halt, was ich so kann“ -, nicht nur für Riffs begnadete Finger hat. Und die Erkenntnis steht im Raum: Ohne Großvater Gus hätte es die Rolling Stones niemals gegeben. Daher auch von mir ein „Danke, Gus“.

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