Über Fischhuhn

Es war einmal das Jahr 1998. Im Kölner Café Franck traf ich mich mit einem guten Freund – und Consulter. Ich unterbreitete ihm meine Idee, ein Online-Musikmagazin zu starten. Frank nickte ernst und sagte: „Gut. Aktuell würdest du rund 3-4 Millionen erhalten, das wäre drin.“ Und dann setzte er seine Kaffeetasse ab und sagte: „Meinst du es ernst?“

Ich meinte es nicht ernst. Gerade hatte ich mein Studium abgeschlossen. Meinen ersten Job. Die Kinder klein. Ich brauchte kein Experiment. Während des Studiums hatte ich allerdings Blut geleckt: von 1995 bis 1996 PR & A’n’R für ein Jazzlabel in Köln und New York gemacht. In New York hatte ich dann sofort begonnen Interviews zu führen. Ich schrieb dann bis etwa 2005 für Amazon.de, BMG, Deutsche Welle, FAZ.net, Schallplattenmann.de und JAZZthetik – stets nebenbei, meist nachts, wenn die Kinder schliefen.

Über die Jahre häufte sich ein Archiv aus Kassetten, Soundfiles, Briefen, Faxen, Notizen und Fotos an – und Erinnerungen. In mehr als 250 Gesprächen hatte ich spannende Momente erlebt. Mit Airto, Rufus Beck, Louis Begley, Christian Brückner, Michael Brecker, DeeDee Bridgewater, Milton Cardona, Holly Cole, Bill Evans, Miles Evans, Raymond Federman, Zakir Hussein, Al Jarreau, Ernst Jandl, Maria Joao, Joachim Kühn, Living Colour, Paul McCandless, Sapphire, Silje Nergaard, Michael Nyman, Gilles Peterson, Courtney Pine, Baden Powell, Dino Saluzzi, Hal Sirowitz, Mal Sondock, Cassandra Wilson, Joe Zawinul und vielen mehr.

Den spannenderen Teil meines Archivs möchte ich hier Schritt für Schritt zugänglich machen – und die für mich aktuell aufregendsten Neuveröffentlichungen vorstellen. Ohne „3-4 Millionen“, dank WordPress. Allerdings mit einem bizarren Namen. Warum „Fischhuhn.de“? Als vielleicht 6-Jähriger sah ich Picasso im Fersehen malen. Er begann mit einem Fisch, den er mit lockeren Strichen in ein Huhn verwandelte. Ich werde nie den Überraschungseffekt in meinem kleinen Hirn vergessen. Es war ein Erlebnis. Sicher nicht anders als das, was die Leute in London 1966 empfanden, als man sich in den Clubs gegenseitig fragte: „Hast du schon das Jimi Hendrix Erlebnis gehabt?!“ The Jimi Hendrix Experience war für eine kurze Zeit das Aufregendste auf diesem Planeten. Für zumindest einen Teil der vielen genialen Erlebnisse mehr aus Musik und Hörbuch ist Fischhuhn.de da.

Picasso malt das Fischhuhn


Mein Kindheitserlebnis: Picasso malt das Fischhuhn.

Über die Jahre lernte ich einige großartig gemachte Musikmagazine schätzen, eine kleine Auswahl:

AllMusic online ist für mich die beste und umfassendste Quelle. Im Regal habe ich noch eine Printausgabe des „AllMusic Guide“, die mehrere Tausend Seiten dick ist. Zum Glück haben die Jungs den Sprung online gemacht.

FAZ.net Feuilleton Pop ist ein El Dorado, bitte keine falschen Berührungsängste wegen der drei Buchstaben.

JAZZECHO.de lohnt. Klar, es ist das Sprachrohr von Universal Music und deren Veröffentlichungen stehen im Zentrum der PR-Berichterstattung. Aber seid versichert, dieselben Schreiberlinge und Jazzperten hauen auch für die Bullet-Points drüber und drunter in die Tastatur.

Der Rolling Stone ist über die Jahre online immer besser geworden, dennoch bevorzuge ich die Printausgabe.

Spiegel online Kultur immer in der ersten Reihe, SZ Kultur sitzt stets daneben.

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